• Moni Schiller

Hallo Waldmeister!


Wenn ich früher an Waldmeister gedacht habe, ist mir zuerst das grüne Wassereis aus Kindertagen eingefallen oder die Brausetütchen mit Waldmeistergeschmack. Jedoch verhält es sich bei dem künstlich hergestellten Waldmeisteraroma nicht anders wie mit allen anderen künstlichen Aromen (ich denke da z.B. an den Geschmack des Bananen-Kabas). Mit dem natürlichen Geschmack der Pflanze hat es nicht viel gemeinsam.

Doch wie schmeckt eigentlich Waldmeister und wo finde ich ihn?


Die beste Zeit Waldmeister zu sammeln ist genau jetzt, wenn die Pflanze kurz vor der Blüte steht oder gerade erst angefangen hat zu blühen. Man findet ihn - wie der Name schon sagt - im Wald. Er wächst ca. 30 cm hoch und bildet oft ganze Teppiche. Die lanzenförmigen, schmalen Blätter des Waldmeisters sind im Kreis auf verschiedenen Etagen um den Stängel angeordnet. Dieser ist vierkantig. Die Blütchen sind weiß und wie kleine Kreuze geformt. Wenn beim Sammeln jedoch die Blätter an der Haut oder der Kleidung kleben bleiben hat man, anstatt des Waldmeisters, das Klettenlabkraut erwischt. Ein ungiftiger Verwandter des Waldmeisters. 😊


Wer also bei einem Waldspaziergang den Waldmeister findet und voller Erwartung an der Pflanze schnuppert, wird zunächst einmal enttäuscht sein. Denn der herrliche Duft des Waldmeisters entfaltet sich erst, wenn die Pflanze nach einigen Stunden zu welken beginnt. Durch diesen Prozess wird der Pflanzenstoff Cumarin freigesetzt, den wir dann als Waldmeisterduft wahrnehmen können.


In den letzten Jahren ist Waldmeister tatsächlich wegen des Cumarins etwas in Verruf geraten, denn bei übermäßigem Genuss kann Cumarin zu Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen führen.

Wie immer gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Ein Sträußchen Waldmeister (ca. 10-12 Stiele) zum Aromatisieren von einem Liter Flüssigkeit, sollte für eine erwachsene Person ungefährlich sein.


Das klassische Getränk mit Waldmeister ist natürlich die Maibowle. Rezepte hierfür findet man massenhaft im Internet. Im Wein und Sekt lässt sich das Aroma des Waldmeisters perfekt einfangen. Aber auch alkoholfreie Getränke lassen sich super mit Waldmeister verfeinern. Zum Beispiel indem man ein angewelktes Sträußchen Waldmeister für ein paar Stunden in Apfelsaft ziehen lässt, und dann mit spritzigem Sprudel und etwas Zitronensaft mischt. Das schmeckt nach Frühling!


Wer den Waldmeistergeschmack auch später im Jahr noch genießen möchte, kann sich einen Sirup kochen. Ich mache das so:


Ca. 20 Stängel Waldmeister über Nacht welken lassen. Am nächsten Tag 700g Zucker in einem Liter Wasser erhitzen und kochen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Etwas abkühlen lassen. Anschließend den Waldmeister und eine in Scheiben geschnittene Bio-Zitrone in die Flüssigkeit geben und 24 Stunden abgedeckt ziehen lassen. Danach alles absieben, die Flüssigkeit nochmals kurz aufkochen und in saubere Flaschen abfüllen. Schmeckt superlecker in Sekt oder Sprudel. Der Sirup ist sehr konzentriert und wird nur in kleinen Mengen dem Getränk beigemischt.


Übrigens wirkt der Duft des vollständig getrockneten Waldmeisters beruhigend und schlaffördernd. Ich werde das demnächst ausprobieren und meinen Kids ein, mit getrocknetem Waldmeister gefülltes, kleines Schlafkissen nähen.


Auch unsere Vorfahren schätzten den Waldmeister sehr. Im Mittelalter zählte der Waldmeister zu den Zauberkräutern zur Abwehr gegen Dämonen und bösen Hexen. Er wurde als Streukraut für den Boden verwendet, um Ungeziefer und Stechmücken fern zu halten und wenn schlechte Stimmung im Haus war, wurde Waldmeister verwendet um eine gute Atmosphäre zu schaffen. Bei dem wunderbaren Duft des Krautes kann ich mir das gut vorstellen. Holt euch doch auch ein Sträußchen davon nach Hause und hängt es zum Trocknen im Wohnbereich auf. Sicherlich schafft der Waldmeister mit seinem Duft auch heute noch eine angenehme Atmosphäre.